Energiewende in Bayern

Theo Karmann in Pförring

Politischer Aschermittwoch am 22. Februar ab 20 Uhr

Energiewende statt Derbleckn
Unabhängige Wähler in Pförring verzichten auf das verbale Abwatschen des politischen Gegners

Von Sebastian Kügel
Pförring Um die Energiewende ging es beim Politischen Aschermittwoch der Unabhängigen Wähler in Pförring, nicht um das verbale Abwatschen des politischen Gegners. Die Aschermittwochs-Spitzen des Referenten Theo Karmann sorgten dennoch für lebhafte Diskussionen. „Ein Öltanker ist in Wirklichkeit ein Geldtransporter“ versuchte sich Karmann zu Beginn in Aschermittwochspolemik. So ein 300.000 Tonnen-Schiff nehme auf dem Rückweg 190 Millionen Euro mit. „Damit werden dann künstliche Inseln ins Meer gebaut oder Eishallen in die Wüste, von unserem Geld“, stichelte der Schwabe beim schon traditionellen Aschermittwoch der UW, zu dem die Vorsitzende Brigitte Dellekönig „trotz Champions-League-Spiel“ fast 50 Besucher begrüßen konnte. Karmanns zweite Breitseite traf die Kritiker von Windrädern. „Energiegewinnung hat schon immer die Heimat verändert“, sagte Karmann und zeigte Fotos von Braunkohlegruben und Kraftwerken. „Was ist angenehmer, ein Atomkraftwerk oder ein Windrad in der Nachbarschaft?“, fragte Karmann provokant und wetterte gegen Atom-Subventionen, nichtversicherbare Risiken und ungeklärte Endlager. Als dritte nahm sich Karmann die vier großen deutschen Energieversorger zur Brust. 50 Jahre lange sei zu wenig in die Stromnetze investiert worden, dann habe man sie an ausländische Investoren verkauft und jetzt rufe man nach der öffentlichen Hand. 

Nach dem bayerischen Energiekonzept sollen in 10 Jahren 50 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen, rief Karmann in Erinnerung und warb für kommunale Energienutzungspläne, die effiziente Energieerzeugung, Energieeinsparung und bewussten Umgang mit Energie umfassen müssten. Um das Ziel zu erreichen seien aber auch 1.500 Windräder – im Schnitt 20 pro Landkreis und zwei bis drei pro Gemeinde – 1000 Biogasanlagen und dreimal soviele Photovoltaikanlagen notwendig wie heute, rechnete der Ingenieur vor. „Und was haben wir davon?“ lautete Karmanns Frage, die er auch gleich beantwortete: Arbeitsplätze in den Handwerksbetrieben, Einkommens- und Umsatzsteuerbeteiligung und Gewerbesteueranteil für die Gemeinden. Den in seinen Augen wichtigsten Vorteil der erneuerbaren Energien formulierte Karmann ganz plakativ: „Jetzt schon sind 4 Milliarden Euro hier geblieben, die sonst der Tanker mitgenommen hätte.“ Um Fläche, Rohstoffe und Investitionen zu sparen müsse man „von der Effizienz her denken“, forderte Karmann weiter. Für 80 Watt Lichtleistung aus einer Halogenleuchte müssten drei Kilowatt Strom im Kraftwerk erzeugt werden, bei einer LED Leuchte seien das nur noch 800 Watt, lautete ein anschaulicher Vergleich. Bei einem ökonomischen und ökologischen Vergleich zwischen Windenergie, Photovoltaik und Biogas sollte sich jeder selbst ein Bild machen, in welchem Bereich die Energiewende möglich ist. Karmann kam zu dem Ergebnis, dass das nur bei Windkraft „kosten- und flächenerträglich“ möglich sei. Und erntete prompt Widerspruch. „Was hat der kleine Mann davon“, protestierte Klaus Kügel. Gebhard Reith kamen die Nachteile der Windenergie zu kurz. Mit von der EU-Kommission geforderten Stilllegungsfläche von 7 Prozent könnten zwei Atomkraftwerke ersetzt werden, warf Biogasanlagenbetreiber Georg Thoma aus Thannhausen ein. Albert Pitzl fand den Vortrag gut, forderte aber „mehr Innovation und von der Gemeinde und eine Bürgerbeteiligung wie beim Marktplatz. Das rief Bürgermeister Bernhard Sammiller auf den Plan. Der Markt Pförring habe schon vor Jahren Gas- und Fernwärmenetze untersuchen lassen, allerdings mit negativem Ergebnis. Dennoch würde jetzt eines beim Kindergarten errichtet. Und schon im März werde der Gemeinderat über Konzentrationsflächen für Windkraftanlagen entscheiden. „Jeder kann eine Energiegenossenschaft gründen“, spielte er den Ball zurück.

 

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