"Kein echtes Interesse an Energiewende"

"Heizöl kostet immer so viel, wie die Verbraucher gerade noch zahlen können". Josef Loderer vom Energiebündel Eichstätt will deshalb den energieautarken Landkreis. Bürgermeister Bernhard Sammiller (rechts) gab beim Aschermittwoch der UW das Ziel aus: „Energie aus dem Ort für den Ort“ - Foto: Kügel

Energieautark im Landkreis bis 2031, das ist das große Ziel des Vereins Energiebündel Eichstätt. Beim Aschermittwoch der Unabhängigen Wähler Pförring zeigten Josef Loderer und Roland Kuffer auf, wie es mit neuen Techniken und Energiesparen gehen könnte.

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Die Stromautobahn, die auf Kosten der Verbraucher von der Ostsee bis zu den Alpen gebaut werden soll, sei gar nicht für die Windenergie der Offshore-Anlagen bestimmt, sondern für Atomstrom aus Russland, das behauptet ein Online-Magazin und beruft sich auf französische Geheimdienstberichte. Das klingt so unglaublich, dass man es gern als Verschwörungstheorie abtun möchte. „Sollte das aber stimmen, dann kracht’s bei der Bundestagswahl“, schimpft Loderer in bester Aschermittwoch-Manier. Dass Konzerne und Staat kein echtes Interesse an der Energiewende haben, steht für den Vorsitzenden des Energiebündels aber fest. Sonst würde die Offshore-Windenergie nicht mit 19 Cent pro Kilowattstunde doppelt so hoch vergütet wie der aus Windrädern an Land. Und sonst würde eine Gleichspannungsleitung gebaut, weil es damit viel weniger Leitungsverluste gäbe, als mit der geplanten Wechselstromleitung, lauten seine Argumente. Die Konsequenz für den gelernten Steuerberater: „Wir müssen die Energie vor Ort erzeugen, dann bleibt die Wertschöpfung vor Ort.“

Um welche Dimensionen es dabei geht, machte Kuffer deutlich. Im Landkreis Eichstätt werden nach seinen Berechnungen jährlich vier Terawattstunden Energie verbraucht. In Heizöl umgerechnet ein Würfel von 45 Metern Kantenlänge. Je ein Viertel für Strom und Mobilität, der große Rest fürs Heizen. Im Kreis Eichstätt würden derzeit drei Prozent des Energiebedarfs aus Wasserkraft, zehn Prozent aus dem Wald und 15 Prozent aus Biomasse gedeckt. An einem schönen Sonntag im Sommer könne der Strombedarf schon mit erneuerbaren Energien gedeckt werden. Aber zur Autarkie fehlten noch 72 Prozent, rechnete der Schatzmeister des Energiebündels vor. „Ohne Energiesparen ist das nicht zu schaffen“, ist sich Kuffer sicher. Und auch nicht ohne Speichertechnologien. Der Arbeitskreis Innovation beschäftige sich deshalb mit Themen wie Methanisierung von Wasserstoff und Carbazol als Treibstoff. Alle Interessierten luden die Referenten zur Mitarbeit ein, zum Beispiel in den Arbeitskreisen Gebäudetechnik, Kollektortechnik oder Speichertechnik. Dass das Energiebündel kein Verein von Theoretikern ist, stellt das Bündnis gerade in Adelschlag unter Beweis, wo es noch heuer eine Freiflächenphotovoltaikanlage in Betrieb nehmen will.

Zum Auftakt hatte Bürgermeister Bernhard Sammiller einen Überblick über die Energiesituation in Pförring gegeben. Schulneubau und Kinderkrippe seien schon auf dem Niveau von Passivhäusern, sagte Sammiller. Als weiteren Pluspunkt führte er die Nahwärmeversorgung für Kindergarten, Feuerwehr und Bauhof ins Feld. Für 2013 stehe die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik zur Debatte. Er wünscht sich sichere, bezahlbare und umweltfreundliche Energieerzeugung nach der Devise „aus dem Ort für den Ort“, zum Beispiel über eine Bürgerenergiegenossenschaft. Gestärkt mit geräucherter Forelle und bestens unterhalten von den Donautalern wurde im Pfarrheim fast bis Mitternacht weiterdiskutiert.